Der November ist ein Monat der Zwischenräume

Das Licht wird weniger, die Tage verlieren an Kontur, und etwas in uns zieht sich unmerklich nach innen zurück. Zwischen goldener Herbstfülle und Adventslicht spannt sich ein schmaler Raum – ein Übergang, der eine Anpassung von uns abverlangt, ob wir wollen oder nicht.
Kälte, Dunkelheit, Nebel und Nässe legen sich wie eine feine Schicht über den Alltag. Viele Menschen berichten in diesen Wochen von einer besonderen Unruhe, von einer Müdigkeit, aber auch von erstem Kerzenschein, einem Tee mit Honig und einem inneren „Zur-Ruhe-sinken“.
Der Körper erkennt den Übergang schneller als der Kopf
Die frühe Dunkelheit verändert unseren circadianen Rhythmus
Mehr Melatonin, weniger Aktivierung : die sinkende Temperatur fordert das vegetative Nervensystem heraus.
Der Körper fährt Programme zurück, die im Sommer selbstverständlich sind – Thermoregulation, Stoffwechselaktivität, Wachheitsimpulse. Wir frösteln schneller, die Nase läuft, und es ist, als würde der Organismus sagen: „Moment mal. Nimm dir Zeit für mich.“
Doch die Arbeit, unsere Planungen, Termine, digitale Reize – nichts davon verlangsamt sich automatisch. Eine innere Dissonanz – der Körper im Übergang, das Leben im Vollbetrieb – erzeugt eine Fülle, die sich als Erschöpfung, als innere Unruhe oder durch erste Infekte zeigen kann.
Und was hat unser Atem damit zu tun?
Was nun gut tut, ist eine Qualität von Raum, in der der Körper zur Ruhe finden kann.
Im Aussen finden sich viele Möglichkeiten: der warme Tee, Honig, Wollsocken, Faserpelz und Kerzenlicht – kleine Hinweise darauf, dass wir uns auf den Winter einstimmen.
Und im Innern? Im Innern unseres Körpers ist der Atem eine beinah unscheinbare Muse, mit welcher der Körper mit der kühleren Jahreszeit in Kontakt tritt. Wir atmen so selbstverständlich, dass wir kaum daran denken: Durch die Nase strömt die kühle Luft ein, sie wird gefiltert und gewärmt. Und im Ausatem breitet sich eine angenehme milde Ruhe in uns aus.
Tiefes Atmen wärmt
Wenn wir für einen Moment innehalten und bewusst wahrnehmen, wie kühl die Luft durch unsere Nase in uns einströmt und wie weich sie sich in uns ausbreitet, erfahren wir, wie uns der Atem
von innen her wärmen kann. Wir spüren die Veränderung im ganzen Körper: Der Atem reguliert das Nervensystem und unsere Körpertemperatur. Und der Atem schafft genau jene Stille und Behaglichkeit,
nach der wir uns im November sehnen.
Die Nasenatmung schützt unsere Atemwege und unterstützt die tiefe Bauchatmung. Durch unsere achtsame Anwesenheit wird der gesamte Körper in den Prozess einbezogen, was zu einer erhöhten
Körpertemperatur führen kann.
Atemübung für Novembertage
Der weiche Übergangsatem
Setz dich bequem hin, am besten auf einen Stuhl.
Lass die Hände locker auf den Oberschenkeln ruhen.
Spüre die Sitzbeinhöcker und lass dich ein wenig in den Stuhl „einsinken“.
Lass deinen Atem durch die Nase kommen und gehen wie er möchte.
Einatmen: wahrnehmen, wie die kühle Luft einströmt und deinen Beckenraum sanft weitet.
Ausatmen: spüren, wie der Atem zurückschwingt und etwas in dir löst.
Ein paar Atemzüge lang nicht steuern – nur spüren, geschehen lassen.
Diese kurze Übung schenkt dir einen winzigen Moment von innerer Weite.
Lass dich überraschen, wie dieses kurze Innehalten und Atmen in deinem Körper nachwirkt. Entdecke den Atem und deinen Körper als einen verlässlichen, bewegten und warmen Raum, der überall und jederzeit mit dir geht – mitten im November.
17. November 2025, Valentina Zürcher
Kontakt
Wenn du spürst, dass du Ruhe und Stille brauchst, und du Interesse hast, die Atemtherapie nach Ilse Middendorf kennenzulernen, nimm gerne Kontakt auf mit mir und erkundige dich nach freien Terminen.