Wenn die Energie zusammenbricht, nährt mich mein Atem


Wie geht Atmen - wenn fast nichts mehr geht? 

Es ist nicht lange her, dass ich Zustände erlebt habe, die sich nur schwer in Worte fassen lassen:

Die Energie bricht unmittelbar ein. Von einem Moment auf den anderen – nach einer Belastung, die objektiv gesehen gering war. Beim Brotschneiden, beim Schminken. Nach einem Spaziergang, bei einem kurzen Gespräch, einer Besorgung. Auch eine intensive Emotion wie Freude konnte zuviel sein.

 

Innerhalb weniger Minuten wechselte mein Körperempfinden in eine bleierne Erschöpfung. Benommenheit, Schwindel, entzündliche Reaktionen. Die Beine wurden kraftlos, Geräusche kaum erträglich, der Atem flach, die Stimme schwach, der Kopf wie benebelt. Diese sogenannten Crashs - oder Zusammenbrüche - fühlten sich nicht an wie eine normale Müdigkeit – sondern wie ein vollständiger Einbruch der verfügbaren Energie.

 

Lange Zeit war ich ratlos. Erst mit der Diagnose ME/CFS (Myalgische Encephalomyelitis) und dem Wissen um Postexertional Malaise (PEM) begann ich zu verstehen, dass in meinem Körper etwas bisher noch Unerklärliches geschieht. Ich begann zu recherchieren, zu beobachten, zu lernen, was mein Körper noch kann – und was nicht.


Zwei Systeme im Zentrum der Erschöpfung

Eine zentrale Erklärung liegt im Zusammenspiel zweier tief verankerter Systeme:

  • der Energieproduktion in den Mitochondrien
  • der autonomen Steuerung durch das Nervensystem

Beide Systeme stehen in ständiger Kommunikation und reagieren empfindlich auf Stress, Entzündungen, Infekte und Überforderung.

 

Während ein gesunder Körper Belastungen flexibel ausgleichen kann, kommt es bei ME/CFS oder Long Covid zu dysregulierten, überschießenden Schutzreaktionen des Körpers.


Die Mitochondrien - unsere Energiequelle

Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen. Sie produzieren ATP (Adenosintriphosphat) – den zentralen Energieträger für:

  • Muskelarbeit
  • Denk- und Konzentrationsleistung
  • Verdauung
  • Immunabwehr
  • Zellreparatur
  • hormonelle und vegetative Prozesse

Werden Mitochondrien belastet – etwa durch Infekte, chronischen Stress, Entzündungen oder Überforderung – sinkt die ATP-Produktion. Der Körper reagiert unmittelbar: Er schaltet in einen Energiesparmodus. Nicht überlebenswichtige Funktionen werden reduziert:

  • Wahrnehmung
  • Verdauung
  • kognitive Leistungsfähigkeit
  • Aktivität
  • emotionale Reaktionsfähigkeit

Das Erleben ist oft: leer, entkoppelt, benebelt, kurz vor dem Abschalten. Bei ME/CFS oder Long Covid setzt die Erholung nicht zuverlässig ein. Selbst minimale Reize können stunden-, tage- oder wochenlange Zustandsverschlechterungen auslösen.


Das autonome Nervensystem – Regisseur unserer Energie

Parallel dazu wirkt das autonome Nervensystem als innerer Kompass.

Es stellt fortlaufend die Frage:


Bin ich in Sicherheit?

Regeneration ist möglich.

Oder bin ich bedroht?

Der Körper aktiviert Schutzprogramme.

Bleibt das System im Alarmzustand, spricht man von autonomer Dysregulation, dauerhaft erhöhtem Sympathikustonus oder neuroinflammatorischem Stress. Die gesamte verfügbare Energie fließt in den Überlebensmodus – statt in den Aufbau und die Regeneration. Auch Schlaf bietet dann keine Erholungsmöglichkeit mehr. 

 

Viele Betroffene kennen zwei Pole, die beide Ausdruck eines dysregulierten Nervensystems sein können:

Der Körper schützt sich durch Erschöpfung

Schwere, Rückzug, völlige Reizüberforderung.

Der Körper schützt sich durch Wachheit

Innere Unruhe, Schlaflosigkeit, Alarmbereitschaft.

Wichtig: Beides sind Schutzmechanismen – keine Zeichen von Versagen.


Atem- und Körpertherapie nach Ilse Middendorf

Ein möglicher Zugang zur Regulation des autonomen Nervensystems führt über den Atem – nicht als Technik, sondern als Zulassen.

 

Ich habe erfahren und gelernt, dass der zugelassene Atem einen Raum öffnet, in dem sich mein Körper beruhigen und regulieren kann. Mein Atem durchströmt jede Zelle meines Körpers. Nicht durch ein aktives Machen, sondern durch GeschehenLassen, differenzierte Wahrnehmung und Empfindungsarbeit. Und diese Erfahrung möchte ich nun weitergeben.  

 

In der Atem- und Körperarbeit nach Ilse Middendorf geht es nicht um Übungen, sondern um die Wahrnehmung, die Körperempfindung und um das Vertrauen in den zugelassenen Atem. 


Atem & Bewusstsein

Heute lebe ich achtsam mit meiner verfügbaren Energie. Der Atem ist mir dabei als verlässlicher Begleiter bewusst geworden – denn er schenkt mir jederzeit Orientierung und Vitalität. 

 

Ich habe Atem & Bewusstsein ins Leben gerufen, um Menschen zu begleiten, welche physisch, psychisch oder emotional mit grossen Herausforderungen konfrontiert sind. Im Atem zur Ruhe zu kommen unterstützt unser Wesen auf allen Ebenen.

 

Meine Arbeit besteht aus Behandlungen im Liegen (am bekleideten Körper), sowie aus der Anleitung von Atem- und Körperarbeit im Sitzen und im Stehen. 

Wenn du neugierig bist, wie Atemarbeit nach Ilse Middendorf deine Regulation und Regenerationsfähigkeit unterstützen kann, nimm gerne Kontakt mit mir auf. 

 

14. Dezember 2025, Valentina Zürcher


Wir sind gelassener dadurch.

Denn wir lassen ja ununterbrochen jeden Atemzug zu.

Ich lasse meinen Atem kommen, ich lasse ihn gehen

und warte, bis er von selber wieder kommt.

Ilse Middendorf